Ratgeber · Implantologie

Periimplantitis: Was sie ist und wie man sie verhindert

Periimplantitis ist eine bakteriell verursachte Entzündung des Knochens und Zahnfleischs um ein Implantat. Sie ist die häufigste Ursache für späten Implantatverlust und betrifft in Übersichtsarbeiten rund jede fünfte Person mit Implantaten (21 Prozent). Vorbeugung ist möglich und entscheidend.

Das Wichtigste

Periimplantitis ist eine bakterielle Entzündung des Knochens um ein Implantat und die häufigste Ursache für späten Implantatverlust. In den frühen Stadien verursacht sie selten Schmerzen, deshalb läuft die Früherkennung über regelmässige Kontrollen, nicht über das eigene Empfinden. Konsequente häusliche Pflege und professionelle Recall-Hygiene verhindern sie in den meisten Fällen.

Fachlich verantwortet von Dr. Markus Franke 29. September 2026 8 Min Lesezeit

Was Periimplantitis ist

Periimplantitis ist eine entzündliche Erkrankung des Gewebes um ein Zahnimplantat. Sie betrifft das Zahnfleisch und den Knochen, an dem das Implantat verankert ist. Verursacher sind Bakterien, die sich an der Implantatoberfläche und im Sulkus, dem Spalt zwischen Implantat und Schleimhaut, ansiedeln.

Wichtig ist die Abgrenzung zur peri-implantären Mukositis, der Vorstufe. Die Mukositis ist eine reine Schleimhautentzündung ohne Knochenabbau, vergleichbar mit einer Zahnfleischentzündung am natürlichen Zahn. Sie ist reversibel, wenn die Bakterien rechtzeitig entfernt werden. Periimplantitis hingegen ist die Mukositis mit fortschreitendem Knochenabbau und ohne Therapie nicht selbstlimitierend.

Studien zur Häufigkeit unterscheiden sich je nach Definition und Beobachtungszeitraum. Übersichtsarbeiten finden Periimplantitis bei rund jeder fünften Person mit Implantaten (21 Prozent). Sie ist damit die häufigste Ursache für späten Implantatverlust und mit guter Nachsorge in den meisten Fällen vermeidbar.

Wie Periimplantitis entsteht

Der Mechanismus ist im Kern derselbe wie bei der Parodontitis am natürlichen Zahn: bakterielle Plaque sammelt sich an der Implantatoberfläche, das Immunsystem reagiert mit einer Entzündung, im Verlauf wird der Knochen abgebaut, das Implantat verliert seine Verankerung.

Was Periimplantitis besonders macht, ist die Implantatoberfläche selbst. Moderne Implantate haben eine raue Oberfläche, die die Knocheneinheilung fördert. Diese Rauigkeit bietet aber auch Bakterien eine grössere Angriffsfläche, sobald die Schleimhaut um das Implantat zurückgeht. Sobald Bakterien einmal die raue Oberfläche besiedelt haben, ist die mechanische Reinigung schwieriger als an einem natürlichen Zahn.

Risikofaktoren

Nicht jeder Implantatträger entwickelt eine Periimplantitis. Studien identifizieren mehrere Risikofaktoren, die das Risiko deutlich erhöhen:

  • Vorbestehende Parodontitis. Patientinnen und Patienten mit aktiver Parodontitis an natürlichen Zähnen haben ein rund vierfach erhöhtes Periimplantitis-Risiko.
  • Rauchen. Erhöht das Risiko auf gut das Doppelte. Reduziert die Wundheilung und die Immunabwehr im Mundbereich.
  • Mangelhafte Mundhygiene. Plaque ist die Voraussetzung für die Entzündung. Ohne Plaque keine Periimplantitis.
  • Unkontrollierter Diabetes mellitus. Schwächt die Immunabwehr und die Wundheilung.
  • Unzureichende Recall-Intervalle. Ohne regelmässige professionelle Reinigung wird die Plaque nie vollständig entfernt.
  • Konstruktive Probleme. Schlecht passende Suprakonstruktionen, schwer zu reinigende Übergänge oder zu eng beieinander stehende Implantate erschweren die Hygiene.

Symptome und Früherkennung

Periimplantitis ist tückisch, weil sie in den frühen Stadien selten Schmerzen verursacht. Im Gegensatz zur akuten Infektion am Zahn fehlt der typische pochende Schmerz. Die häufigsten Anzeichen sind:

  • Blutung beim Sondieren oder Zähneputzen im Bereich des Implantats
  • Rötung und Schwellung der Schleimhaut
  • Vertiefte Sondierungstiefen (Taschenbildung)
  • Eiteraustritt aus dem Sulkus bei aktiver Infektion
  • Knochenabbau im Röntgenbild im Vergleich zur Ausgangssituation
  • Sichtbarer Implantatkörper, wenn die Schleimhaut zurückgegangen ist
  • Lockerung des Implantats, allerdings erst in sehr fortgeschrittenen Fällen

Schmerz tritt typischerweise erst auf, wenn die Entzündung weit fortgeschritten ist oder eine akute Infektion mit Eiterbildung besteht. Bis dahin ist häufig schon erheblicher Knochenabbau eingetreten.

Die Früherkennung läuft deshalb über die regelmässige Kontrolle, nicht über den eigenen Schmerzeindruck. Bei jeder Recall-Sitzung sollten die Sondierungstiefen am Implantat dokumentiert und mit der Voruntersuchung verglichen werden.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt klinisch und röntgenologisch. Die klinische Untersuchung umfasst die Sondierung mit einer speziellen Plastiksonde (Metallsonden würden die Implantatoberfläche beschädigen), die Beurteilung der Blutung beim Sondieren und die Suche nach Eiter oder Schwellung.

Im Röntgenbild zeigt sich der Knochenabbau als Verlust der knöchernen Begrenzung um das Implantat. Bei einem gesunden Implantat reicht der Knochen bis nahe an die Implantatschulter. Bei Periimplantitis ist die knöcherne Begrenzung tiefer abgebaut, häufig mit kraterförmigem Defekt um den Implantatkörper herum.

Bei Verdacht auf Periimplantitis und unklarem Befund kann eine 3D-Aufnahme (DVT) Klarheit über das Ausmass des Knochenabbaus geben.

Behandlung

Die Therapie richtet sich nach dem Stadium. Es gibt etablierte Protokolle, die Studienlage zu den effektivsten Verfahren ist aber noch in Entwicklung.

Mukositis (Vorstufe)

Bei reiner Schleimhautentzündung ohne Knochenabbau reicht in der Regel eine professionelle Reinigung des Implantats und der Suprakonstruktion. Ergänzt wird die Behandlung mit Anweisungen zur häuslichen Pflege und einer engmaschigen Kontrolle nach drei bis sechs Monaten. In den meisten Fällen heilt die Mukositis vollständig aus, wenn die Plaque konsequent entfernt wird.

Periimplantitis (Knochenabbau)

Bei nachgewiesenem Knochenabbau wird zwischen nicht-chirurgischer und chirurgischer Therapie unterschieden:

Nicht-chirurgisch. Mechanische Reinigung mit Pulverstrahl (Glycin oder Erythritol-Pulver), Plastik- oder Titan-Küretten und gegebenenfalls Laser-Dekontamination. Ergänzend antibakterielle Spülungen mit Chlorhexidin oder lokal applizierte Antibiotika. Diese Therapie ist bei moderater Periimplantitis erfolgreich, vor allem wenn die Risikofaktoren (Rauchen, Plaque) gleichzeitig adressiert werden.

Chirurgisch. Bei fortgeschrittenem Knochenabbau wird das Zahnfleisch operativ aufgeklappt, die Implantatoberfläche unter Sicht gereinigt und gegebenenfalls Knochenaufbau-Material in den Defekt eingebracht. Die Studienlage zur Regeneration ist begrenzt, mit moderaten Erfolgsraten.

Explantation. Bei sehr fortgeschrittenem Knochenabbau, fehlendem Therapieerfolg oder Implantatlockerung ist die Entfernung des Implantats die einzige Option. Nach Ausheilung kann ein neues Implantat gesetzt werden, häufig mit vorgängigem Knochenaufbau.

Die Behandlung der Periimplantitis ist aufwendiger und weniger vorhersehbar als die Vorbeugung. Das ist der Grund, warum die regelmässige Recall-Hygiene bei Implantatpatienten so wichtig ist.

Prävention. Was wirklich funktioniert

Die effektivsten Massnahmen zur Vermeidung der Periimplantitis sind nicht spektakulär. Sie sind konsequent und gut belegt:

Häusliche Pflege

Tägliches gründliches Zähneputzen mit weicher Zahnbürste, mindestens zwei Minuten morgens und abends. Zwischenraumpflege mit Interdentalbürsten oder Superfloss am Implantat. Elektrische Zahnbürsten sind effektiver als Handzahnbürsten bei der Plaque-Entfernung.

Mundspülungen mit Chlorhexidin sind eine Option für Phasen erhöhter Entzündungsneigung, eignen sich aber nicht für Dauergebrauch (Verfärbung der Zähne, Geschmackveränderung).

Professionelle Recall-Hygiene

Die wichtigste präventive Massnahme. Wir empfehlen Implantatpatientinnen und Implantatpatienten:

  • Bei stabilen Verhältnissen: zwei Dentalhygiene-Sitzungen pro Jahr plus eine jährliche zahnärztliche Kontrolle.
  • Bei vorbestehender Parodontitis oder erhöhtem Risiko: drei bis vier Sitzungen pro Jahr.
  • Bei akuter Mukositis: Therapie-Sitzung plus Kontrolle nach drei bis sechs Monaten.

Bei der Recall-Sitzung wird die Implantatoberfläche mit Pulverstrahl und Plastikküretten gereinigt. Metallinstrumente werden vermieden, weil sie die Implantatoberfläche beschädigen können. Sondierungstiefen werden dokumentiert und mit der Vorsitzung verglichen.

Risikofaktoren reduzieren

Wer raucht, hat ein deutlich erhöhtes Periimplantitis-Risiko. Eine Reduktion oder ein Stopp lohnen sich auch nach der Implantat-Setzung. Ein gut eingestellter Diabetes reduziert das Risiko ebenfalls deutlich. Bei vorbestehender Parodontitis sollten die Recall-Intervalle kürzer sein.

Konstruktive Hygienefähigkeit

Bei der Planung des Implantats und der Suprakonstruktion achten wir auf Hygienefähigkeit: ausreichend Abstand zwischen mehreren Implantaten, gut zugängliche Übergänge, Kronenränder, die nicht zu tief liegen. Eine schwer zu reinigende Konstruktion ist ein Risikofaktor, der sich später nicht mehr leicht korrigieren lässt.

Was Resident bei Implantatpatienten macht

Implantatpatienten erhalten bei uns ein strukturiertes Recall-Programm. Nach der Eingliederung der Krone werden die Recall-Termine geplant, in der Regel zunächst alle drei Monate für das erste Jahr, danach in halbjährlichen oder jährlichen Intervallen je nach individuellem Risikoprofil.

Bei jeder Recall-Sitzung dokumentieren wir die Sondierungstiefen und die Plaque-Werte am Implantat. Bei Veränderungen (zunehmende Tiefe, Blutung, sichtbarer Knochenabbau im Röntgen) reagieren wir frühzeitig mit therapeutischer Reinigung und engerer Kontrolle.

Wenn Sie ein Implantat haben und unsicher sind, wann Ihre nächste Hygiene fällig ist, vereinbaren Sie einen Termin in Ihrer Resident-Praxis. Wir prüfen Ihren Implantatstatus und legen einen individuellen Recall-Plan fest.

Quellen

  1. Derks et al., J Clin Periodontol: Peri-implant health and disease. A systematic review of current epidemiology, 2015
  2. Galarraga-Vinueza et al., J Periodontol: Prevalence, incidence, systemic, behavioral, and patient-related risk factors and indicators for peri-implant diseases: An AO/AAP  systematic review and meta-analysis, 2025
  3. European Federation of Periodontology EFP: What is the evidence base for peri-implant treatments?

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Tut Periimplantitis weh?

In den frühen Stadien meist nicht. Anders als bei einer akuten Infektion am Zahn fehlt der typische pochende Schmerz. Erste Anzeichen sind Blutung beim Zähneputzen, gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch und vertiefte Taschen am Implantat. Schmerz tritt oft erst auf, wenn die Entzündung weit fortgeschritten ist und bereits Knochen abgebaut wurde.

Kann man ein Implantat mit Periimplantitis noch retten?

Häufig ja, vor allem wenn die Entzündung früh erkannt wird. Bei einer reinen Schleimhautentzündung ohne Knochenabbau reicht meist eine professionelle Reinigung. Bei beginnendem Knochenabbau gibt es nicht-chirurgische und chirurgische Behandlungen. Erst bei sehr fortgeschrittenem Knochenabbau oder Lockerung bleibt nur die Entfernung des Implantats.

Wie oft muss ich mit einem Implantat zur Dentalhygiene?

Bei stabilen Verhältnissen empfehlen wir zwei Dentalhygiene-Sitzungen pro Jahr plus eine jährliche zahnärztliche Kontrolle. Bei vorbestehender Parodontitis oder erhöhtem Risiko sind drei bis vier Sitzungen sinnvoll. Im ersten Jahr nach der Implantat-Setzung kontrollieren wir in der Regel engmaschiger, oft alle drei Monate.

Erhöht Rauchen das Risiko für Periimplantitis?

Ja, deutlich. Rauchen erhöht das Risiko auf gut das Doppelte, weil es die Wundheilung und die Immunabwehr im Mundbereich schwächt. Eine Reduktion oder ein Stopp lohnt sich auch noch nach der Implantat-Setzung. Auch ein gut eingestellter Diabetes und kurze Recall-Intervalle senken das Risiko.

Warum reinigt man Implantate nicht mit normalen Metallinstrumenten?

Metallinstrumente können die Implantatoberfläche aufrauen und beschädigen. Eine aufgeraute Oberfläche bietet Bakterien mehr Angriffsfläche. Deshalb reinigen wir Implantate mit Pulverstrahl und mit Plastik- oder speziellen Titan-Küretten. So bleibt die Oberfläche intakt und gut zu pflegen.

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